Giovanni Lo Curto Photographer

"widerständig und widerspenstig – Jugendkultur in Lichtenberg von 1960–1990" - Vernissage.

Berlin 2014.

Aktuelles: die Ausstellung ist jetzt in Prag Ausgestellt.

Vernissage von die Austellung ins Museum Lichtenberg: "widerständig und widerspenstig – Jugendkultur in Lichtenberg von 1960–1990"

Jugendlicher Widerspruch ist zu jeder Zeit und an jeden Ort eine allgemeine Erscheinung. Doch in der DDR nahm die SED schon frühzeitig jede Auflehnung in der Gesellschaft sehr ernst und bewegte sich damit in der Tradition überkommener autoritärer Vorstellungen.

Wenn sich der größere Teil junger Menschen auch nicht in vollem Umfang mit den Zielen von SED, FDJ und anderen politischen Organisationen identifizierte, so gab es eine, wenn auch oberflächliche Gefolgschaft, die sich in der Mitgliedschaft und Beteiligung an den Aktivitäten dieser Organisationen ausdrückte.

Nur wenige junge Menschen waren anfänglich in der DDR tatsächlich bereit, die vorgefundene Gesellschaft kritisch zu hinterfragen, konsequent eigene Lebensvorstellungen zu entwickeln und dafür auch Konflikte und Entbehrungen in Kauf zu nehmen – ein gesellschaftliches Phänomen, das überall im Land anzutreffen war. Kaum unterschieden von Jugendlichen außerhalb der DDR wurden sie beargwöhnt, bespitzelt und verfolgt, weil die politisch Verantwortlichen hinter ihrer jugendlichen Auflehnung einen Widerspruch zu ihrer Politik sahen. Für einige endete die Auflehnung in Erziehungsheimen, so in dem nahe gelegenen Durchgangsheim Stalau, in Gefängnissen oder sie verließen erzwungener Maßen das Land.

Die Ausstellung hat sich die Aufgabe gestellt, diejenigen Gruppen Jugendlicher vorzustellen, die im Laufe der Geschichte auf dem Gebiet des Bezirks Lichtenberg auftraten und die gesellschaftlichen und politischen Konventionen in Frage stellten. Sie sind damit auch ein Ausdruck von sich in den Jahrzehnten vollziehender Entwicklungen überall in der DDR, die 1989 in der Auflösung des SED-Staates mündeten.

Zu den Lichtenberger Protagonisten zählen Beat- und Bluesfans, Punks, Friedens- und Frauenaktivistinnen, Schwulenvereinigungen ebenso wie ein Jugendclub, der eigeninitiativ entstand und handelte. Ebenfalls dargestellt werden Aktivitäten rechter Jugendlicher, auf die mit kirchlicher Jugendarbeit Einfluss genommen wurde und die im Kaskelkiez ansässigen Sinti, aus denen u.a. die Band Sinti-Swing hervorging, die zur Eröffnung zu hören sein wird.

Die Ausstellung dokumentiert die Jahrzehnte zwischen Mauerbau und -fall anhand von Foto-, Film- und Tonzeugnissen und zeigt das in Lichtenberg entstandene Denkmal des unbekannten Deserteurs sowie weitere Exponate der alltäglichen und politischen Jugendkultur aus drei Jahrzehnten.

In monatlichen Begleitveranstaltungen und wöchentlichen Schülerwerkstätten wird das Dargestellte vertieft und damit die Möglichkeit gegeben, sich über widerspenstiges und widerständiges Verhalten auch in der Gegenwart auszutauschen.

Begleitveranstaltungen zur Ausstellung: museum-lichtenberg.de/index...

weiteren info zum Ausstellung: www.museum-lichtenberg.de/i...